Stillstand ausgerissener Alltagsnormen. Mein Blick wandert und ständig ecken wir an. Du und ich in der Nacht. Gestern hätte ich noch gewusst, wie ich auf so was reagieren sollte, aber seit ungefähr einer halben Stunde fehlt mir emotionale Bodenhaftung. Das sind jetzt genau 5 Minuten seit Karl losgegangen ist um ein Eis zu holen und in Gedanken schlägt mich meine Kreativität mit Baseballschlägern durch einen fiktiven Raum, der leider eine Gummizelle ist.
Ich kann ihn noch an dir riechen; eine Mischung aus abgestandenem Rauch, lieblosen Küssen und monotonen Berührungen, die ihm mehr gaben als dir. Ich suche Schuld in deinen Augen, suche Angst und Qual, suche das, was da war und uns zusammenführte, doch alles, was ich finde, ist eine eigentümlich zufriedene Leere. Der Vorhang weht ins Zimmer hinein, wickelt sich um längst vertrocknete Blumenreste in blassblauen Vasen und das staubige Knistern ist lauter als mein angehaltener Atem, mein unruhig pochendes Herz.
Ich und die Angst vor fünf Zentimetern und wie ich mir albern vorkomme, denn du grinst wenn mich andere für bescheuert erklären und wenn es dir ganz besonders gefällt kneifst du die Augen zusammen und ziehst den Rest hinterher. Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich dieses Zimmer in Lavendel angestrichen habe und ich dann nachts beim Wegräumen nach dreiviertel der Arbeit das erste Mal einen Blick auf den Deckel geworfen habe, der ein Mischverhältnis mit Wasser im Verhältnis 1:10 proklamierte.
Dieses Zimmer gehört mehr der Farbe als mir, gehört mehr dir als uns. Ich bin nur Beiwerk in deinem Leben. Ich bin sichtbar, weil du existierst und dein Licht auf mich fällt. Was wäre ich, wenn es dich nicht gäbe? Vielleicht ist die Antwort der Grund dafür, dass ich noch immer bei dir bleibe und die Farbschichten spüre, die mich ersticken.
Ich weiß ganz genau, dass du jetzt gerade am liebsten aufstehen würdest, um den Vorhang mit der goldenen Kordel zu befestigen, aber wenn hier jeder das machen würde, was er am liebsten tut, dann säßen wir nicht hier.
Wenn hier jeder das machen würde, was er am liebsten tut, dann säße nur ich hier, allerdings ohne Vorhang und ohne Farbe und wüsste nicht, dass das, was mir fehlt, du bist. Du, die du auf anderen Betten in anderen Zimmern sitzen würdest, die mehr dir gehören als irgendwem sonst.
Irgendwer würde Fotos mit abgeschnitten Kopf auf einem viel zu kleinem Bett von dir machen, während du nach außen geneigt jenseits des Rahmens gerade die nächste Line Koks zurechtlegst.
Und wenn dein Gesicht taub wird, deine Ängste verschwinden und du dich unverwundbar fühlst, bist du das, was ich auch sonst in dir sehen kann.
Wir beide waren schon immer von den Möglichkeiten fasziniert, die sich ergeben, wenn zwei Universen auf einmal Schnittpunkte aufweisen. Und uns war sofort klar, dass wir ohne die gelebte Funktionalität deines Konsums nicht in der Lage gewesen wären das Gesamtschauspiel der Neuronenexplosionen einzudämmen. Für dich hat das schon immer funktioniert. Für mich endete es, als ich sah, dass du dich allen schenktest und nicht nur mir.
And if they follow you, don’t look back like Dylan in the movies.
Moritz Körner & Hannah Kraus